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Chronik der Gewerbeschule Schwetzingen

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich in Baden die Grundidee zur Errichtung von Gewerbeschulen. Weitsichtig denkende Köpfe sahen die Notwendigkeit, Wissenschaft und Technik, die bisher beziehungslos nebeneinanderher lebten, zu koordinieren. 1834 ordnete der Großherzog von Baden, Leopold, an: "In allen gewerblichen Städten Badens sind Gewerbeschulen einzurichten."

Schwetzingen war eine der gewerblich geprägten Städte, die aufgefordert waren, eine Schule dieser Art einzurichten. Es waren alle diejenigen Dienstleistungsgewerbe vorhanden, an die in erster Linie gedacht war. Dies war vor allem das Baugewerbe (Hochbau). Dazu kamen durch örtliche Verhältnisse bedingt die Brunnenbauer und die Gärtner (Schlossgärtnerei). Die Vorgänger der Gewerbeschulen waren also zunächst reine Bauschulen.

Folgende Voraussetzungen waren zur Eröffnung des neuen, berufsbegleitenden Schultyps zu erfüllen:


• Finanzielle Absicherung,
• Beschaffung von Schulraum,
• Zuweisung von Lehrern
• Genehmigung des Großherzoglichen Ministeriums nach Prüfung des Stoff- und Stundenplans
 

Die finanzielle Absicherung war gegeben durch das Testament (Stiftungsurkunde) des Geheimen Hofrates und Gartenarchitekten Johann Michael Zeyher. Die Statuten des Ministeriums des Inneren des Landes Baden regelte die finanzielle Grundlage und sicherte den Lehrerbedarf durch eine Mischfinanzierung aus einem Staatsbeitrag, einem Beitrag der Stadt, dem Schulgeld und der Zeyherschen Stiftung.

Die erforderlichen Schulräume wurden im evangelischen Gemeindehaus neben der Kirche geschaffen. Zur Verfügung standen ein Lehrerzimmer, ein Raum zum Zeichnen und ein Modellzimmer. Bei besonderem Bedarf bestand die Möglichkeit, in die gleich gegenüberliegende, im Jahre 1842 neu erbaute Volksschule (Friedrichsschule) auszuweichen.

Am 23. April 1846 wurde die Eröffnung der Gewerbeschule in Schwetzingen bekannt gemacht. Die Schülerzahlen waren in den ersten Jahrzehnten sehr niedrig. Nach den ersten belegten Zahlen aus dem Jahre 1851 besuchten die erste Klasse 26 Schüler und die zweite Klasse nur 7 Schüler. Eine dritte Klasse gab es damals nicht.

Die schwachen Klassenstärken hatten folgende Gründe: Schwetzingen, 1833 zur Stadt erhoben hatte nur knapp über 3000 Einwohner. Zudem ließen die Revolution 1848 und sonstige politischen Wirren reguläre Verhältnisse nicht zu. Durch die Auflösung der Zünfte ab 1862 war auch das Handwerk nicht mehr organisiert. Somit ging der Einfluss auf die Betriebe verloren. Die Meister selbst zeigten am Unterricht einer Gewerbeschule nur geringes Interesse und auch die Lehrlinge selbst blieben morgens lieber im Bett liegen anstatt in die Schule zu gehen.

Überdies zog die im Raum Mannheim einsetzende Industrialisierung viele Arbeitskräfte dorthin ab. Einige Berufe waren vom Unterricht befreit, wie z.B. Bäcker, Metzger, Bierbrauer, Friseure. Der Bestand der Gewerbeschule wurde in dieser Zeit durch die Einführung einer Vorbereitungsklasse gesichert. Anlässlich einer Visite im Jahre 1874 wurde festgestellt:

"Aus dem schwachen und unregelmäßigen Besuch der Anstalt und den geringen Leistungen geht hervor, dass die bisherige Art des Betriebs sowie die Freiwilligkeit des Besuchs zu keinem guten Ergebnis führt."

Noch vor der Jahrhundertwende besann sich das Handwerk auf seine wichtige volkswirtschaftliche Funktion. Die neue Gewerbeordnung von 1873 sah vor, dass sich die einzelnen Gewerke auf Bezirksebene zu Innungen zusammenschließen sollen. Sie sollten die Aufgabe der früheren Zünfte übernehmen. Der Beitritt wurde sogar zur Pflicht gemacht.

Als Dachorganisationen entstanden gleichzeitig die Handwerkskammern. Diese Zusammenschlüsse schlugen sich nach und nach positiv auf den Gewerbeschulbesuch nieder. 1897 wurde der Unterricht in die nördlichen Zirkelsäle des Schwetzinger Schlosses verlegt, dessen Räumlichkeiten dafür gänzlich ungeeignet waren.

Auf der Suche nach geeignetem Schulraum fasste man die beiden Flügel, die den Schlosshof seitlich begrenzen, näher ins Auge und 1906 zog die Gewerbeschule in den Gebäudeteil entlang der Zeyherstraße, in dem sich heute das Finanzamt befindet. Aber auch diese Räume erfüllten in keiner Weise die Ansprüche an eine Gewerbeschule.

Eine weitere Erhöhung der Schülerzahlen brachte die Ausweitung der Schulpflicht auf drei Jahre. Im Schuljahr 1908/1909 waren jeweils zwei Klassen im ersten, zweiten und dritten Jahr ausgewiesen. Dazu wurden noch 40 kaufmännische Lehrlinge eingeschult. Eine weitere Maßnahme zur Aufstockung war die Einführung der Schulpflicht für Lehrmädchen im Beruf Damenschneiderinnen. 1922 wurden Gewerbe und Handel voneinander getrennt. Im gleichen Jahr wurde die Gewerbeschule Bezirksgewerbeschule. Von den Verhältnissen auf Grund der wirtschaftlichen Folgen des 1. Weltkriegs waren auch die Gewerbeschulen direkt betroffen. Insbesondere infolge der Weltwirtschaftskrise gingen die Schülerzahlen um über 60% zurück.

Die Zwänge des Nationalsozialismus erschwerten eine geordnete Arbeit nach den vorgeschriebenen Lehr- und Stundenplänen. Durch die erschwerten Aufnahmebedingungen zu den Oberrealschulen und Gymnasien wuchs die Zahl der Ungelernten. Diese wurden einer allgemeinen Fortbildung unterworfen und im Volksmund erhielt die Gewerbeschule die Bezeichnung Fortbildungsschule.

1935 wurde die Gemeinde Ketsch in den Bezirks-Gewerbeschulverband eingegliedert, wodurch es im Schulhaus noch enger wurde und die Aussichten auf den vorgesehenen Werkstattunterricht wurden noch geringer. Man behalf sich mit Provisorien. Die Damenschneiderinnen wurden im Arbeitsraum eines Schneiders in den notwendigen Fertigkeiten unterrichtet, die Schreiner in einem Raum eines Hinterhofgebäudes und die Industriebetriebe wie die Pfaudlerwerke oder das Reichsbahnausbesserungswerk schufen sich eigene Schulungsmöglichkeiten.

Nach dem Zusammenbruch 1945 kam der Schulbetrieb nur langsam wieder in Gang. Der Unterricht im Nordflügel des Schlosses entsprach zur Beschulung der stark angestiegenen Zahl des kaufmännischen und handwerklichen Nachwuchses in keiner Weise den Anforderungen. So reifte bereits 1949 die Idee des Baus eines Berufsschulzentrums.

Noch im gleichen Jahr erfolgte unter Landrat Dr. Valentin Gaa die Ausschreibung. Die Bauausführung wurde dem Karlsruher Architekturbüro H. D. Rösiger / Dipl.Ing. G. Seemann übertragen. Das Bauwerk, das landesweit Aufsehen erregte galt als eines der modernsten Schulgebäude der Bundesrepublik Deutschland. Nun war es möglich, auch einen rein praxisorientierten Werkstatt- unterricht an den auf dem neusten Stand befindlichen Ausbildungsplätzen durchzuführen. Die Einführung der ersten Berufsfachschulen scheiterte nach kurzer Zeit an der fehlenden Anerkennung als erstes Ausbildungsjahr durch das Handwerk.

Ab 1960 drängten vermehrt junge Menschen in die Realschulen und Gymnasien. Die Volksschulen leerten sich und der Nachwuchszahlen für Handwerkslehren waren rückläufig. Nur im Maschinenbau und im Kfz-Gewerbe ergab sich ein anhaltender Zulauf auch bedingt durch die zunehmende Erwachsenenbildung (Maschinenbautechniker) und die Weiterbildungsmöglichkeit in Form der zweijährigen Berufsfachschule zur Erlangung der Fachschulreife.

Aufgrund des Schülerrückgangs in bestimmten Teilbereichen war Ende der sechziger Jahre der Fortbestand der Gewerbeschule Schwetzingen in Frage gestellt. Erst durch die Zuordnung aller Schreiner- und Glaserlehrlinge des Einzugsgebiets der gewerblichen Berufsschule Heidelberg wurde die Gewerbeschule in ihrem Bestand gesichert.

Der Plan, Lehrlingen eine solide Grundausbildung in Berufsfachschulen zu garantieren, wurde nochmals aufgegriffen. Es dauerte lange, bis der duale Partner davon überzeugt werden konnte, dass die Gewerbeschule die Ausbildungsbetriebe erheblich unterstützen können. Die Anerkennung des Berufsfachschuljahres auf die Ausbildung blieb jedoch vorerst strittig. Die Schreinerinnungen Schwetzingen und Heidelberg beschlossen als Erste, nur noch Lehrlinge zu übernehmen, die die einjährige Berufsfachschule durchlaufen hatten.

Durch die Entwicklung der Technik in allen Bereichen erschöpften sich die Kapazitäten der Werkstatt zusehends und der Mangel an Unterrichtsräumen wurde immer spürbarer. Der Schulträger reagierte jedoch sehr schnell. Der Karlsruher Architekt Seemann erhielt den Auftrag, einen Neubau für das Wirtschaftsgymnasium und einen Werkstatt-Trakt zu planen und auszuführen. Während der Bauzeit wechselte der Schulträger. Im Zuge der Verwaltungs- und Gebietsreform wurden die Landkreise Mannheim und Heidelberg in den Rhein-Neckar-Kreis umgewandelt, durch den der Neubau 1976 übergeben wurde.

Durch die Einrichtung weiterer Schularten wie dem einjährigen Berufskolleg zur Erlangung der Fachhochschulreife, der Meisterschule für Schreiner, den Berufskollegs für Technik und Medien sowie technische Kommunikation und er Akademie für Betriebsmanagement konnte die Gewerbeschule ihren Bestand sichern und genießt über die Grenzen ihres Einzugsgebiets hinaus einen guten Ruf. Nach über 150 Jahren erhielt die Gewerbeschule Schwetzingen erstmals einen Namen und heißt nun seit 2003 Ehrhart-Schott-Schule.